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Für Ihre Patient:innen mit Hidradenitis suppurativa (Acne inversa) fühlt es sich an wie tausend Nadeln.
Hidradenitis suppurativa (Acne inversa) bedeutet für Betroffene eine stark belastende Symptomatik mit schmerzhaften entzündeten Knoten und Abszessen1 – aufgrund der Seltenheit der Erkrankung häufig verbunden mit einer diagnostischen Odyssee.
Hidradenitis suppurativa ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch schmerzhaft entzündete Knoten und Abszesse, drainierende Tunnel oder Fisteln gekennzeichnet ist.1
Diese treten überwiegend in den Achseln, den Leisten, im Genital- und Afterbereich sowie bei Frauen unter der Brust auf.1
Durch erhebliche körperliche Schmerzen, den unangenehmen Geruch des eitrigen Ausflusses und Bewegungseinschränkungen u. a. durch Narbenbildung, die mit Isolation, Stigmatisierung und Scham einhergehen ist die Lebensqualität der Erkrankten in der Regel stark eingeschränkt.2,3
Eine frühzeitige Diagnose kann einen großen Unterschied machen – informieren Sie sich auf dieser Seite zu Symptomen und Diagnostik der Hidradenitis suppurativa.
In Deutschland liegt die Punktprävalenz für eine aktive Hidradenitis suppurativa bei etwa 0,3 %. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung erstmalig nach der Pubertät auf (Alter über 20 Jahre) und betrifft in Deutschland ebenso viele Männer wie Frauen.4
Hidradenitis suppurativa ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Die genauen Mechanismen der Pathogenese sind bisher noch unbekannt, als Auslöser werden allerdings sowohl genetische Komponenten als auch Umweltfaktoren vermutet.
Charakteristisch für die Erkrankung ist die Aktivierung verschiedener Entzündungskaskaden und die Veränderung der Hautbakterien.5
Bei der Pathogenese von Hidradenitis suppurativa kommt es durch Aufbrechen der entzündeten, vergrößerten Haarfollikel häufig zu einer schweren Immunreaktion, die eine chronische Entzündung mit der Entwicklung von drainierenden Tunneln nach sich zieht. Dabei spielen proinflammatorische Zytokine wie TNF, IL-1, IL-12, IL-23, IL-36 und IL-17, die Neutrophile, Mastzellen und Monozyten aktivieren, eine Schlüsselrolle.
Die chronischen Läsionen produzieren im Verlauf weiterhin proinflammatorische Zytokine und Chemokine, die das Immunsystem an weiter entfernten Haarfollikeln aktivieren und die Entzündung damit aufrechterhalten können.
Einzelne oder gruppierte Entzündungsherde verursachen Schmerzen, Pruritus, Nässen und üblen Geruch bei Hidradenitis suppurativa. Typisch sind sehr schmerzhafte, oft gerötete und wenig verschiebbare Knoten beispielsweise in der Axilla, der Perinealregion oder der Genitalregion. Auch der Kopf oder andere Feuchtgebiete der Haut können befallen sein. Die Knoten sind meistens 1–3 cm groß, mit seröser, blutiger Flüssigkeit gefüllt und entleeren sich als klebrig roter Ausfluss.12
Charakteristische Krankheitsmerkmale bei Hidradenitis suppurativa sind die schmerzhaften, tief sitzenden entzündeten Läsionen in den apokrinen Drüsenbereichen des Körpers, am häufigsten axillär, inguinal (auch inframammär bei Frauen) und anogenital. Bei den Läsionen kann es sich um Knoten, drainierende Tunnel, Abszesse oder Narbenbildung (atrophisch, netzartig, rot, hypertrophisch oder linear) handeln. Treten diese schmerzhaften oder eiternden Läsionen häufiger als 2-mal in 6 Monaten auf, kann die Diagnose Hidradenitis suppurativa gestellt werden.14
Um die Läsionen besser einordnen zu können, hat die europäische Leitlinie für Hidradenitis suppurativa eine Liste mit möglichen Differenzialdiagnosen definiert:
Bei einigen dieser Differenzialdiagnosen handelt es sich um bakterielle Infektionen. Entsprechend kann hier ein negativer Abstrich bzw. eine normale Hautflora auf Hidradenitis suppurativa hinweisen.14
Die Krankheitsaktivität und -symptome können bei Hidradenitis suppurativa sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, weshalb eine Einstufung in Schweregrade wichtig für die weitere Behandlung ist. Die Einstufung erfolgt mittels verschiedener Scoring- Systeme.
Der Hurley-Score
Die meistgenutzte Hurley-Klassifikation teilt den Schweregrad der Erkrankung in drei Stadien ein. Diese Einteilung ist nicht quantitativ und kann nicht verwendet werden, um z. B. die Wirksamkeit von Medikamenten in klinischen Studien zu untersuchen. Auch psychische Beschwerden der Betroffenen werden nicht berücksichtigt, da die Ermittlung des Schweregrades über die Hautsymptome erfolgt.14
Hurley-Stadien14
Der IHS4-Score ist ein systematisches, validiertes und einfaches Score-System zur dynamischen Bewertung des Hidradenitis suppurativa-Schweregrades, welches sowohl im Praxisalltag als auch in der klinischen Forschung eingesetzt werden kann. Der IHS4-Score wird anhand der Anzahl von Knoten, Abszessen und drainierenden Tunneln berechnet. Das Ergebnis ermöglicht mithilfe einer Skala eine Ermittlung des Schwergrades der Erkrankung.15
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Letzte Aktualisierung: Februar 2026